Awareness

Termine für Gespräche könnt ihr auch über folgende Telefonnummer ausmachen: 01573-2389907.

Was ist Awareness?

Unter Awareness verstehen wir ein machtkritisches Bewusstsein für die eigene Position. Unsere gesellschaftliche Position wird von strukturellen Machtverhältnissen mitbestimmt. In sozialen Gefügen wirkt sich das auf die Teilnehmenden aus. Menschen, die gesellschaftlich privilegiert sind, haben es häufig(!) leichter; andere, die öfter Diskriminierung erleben, haben es häufig(!) schwerer. Die unterschiedliche Positioniertheit muss sichtbar gemacht werden, wenn eine Veranstaltung möglichst angenehm für alle Beteiligten ablaufen soll. Awareness versucht, das Bewusstsein für Ungleichheiten zu schaffen/zu schärfen und produktiv mit diesen umzugehen. Awareness-Arbeit hat also das Ziel, mit allen Beteiligten diskriminierungsfreie(re) soziale Räume herzustellen.“

http://awareness.blogsport.eu/

Warum Awareness auf dem Klimacamp?

Wir kämpfen gegen den Menschen gemachten Klimawandel und für ein gutes Leben für alle und überall! Das heißt für uns aber auch, dass wir uns auch um das zwischenmenschliche Klima bemühen müssen.

Verdrängung, Ausgrenzung und Diskriminierung finden überall statt: So werden viele Menschen aus verschiedensten Gründen gar nicht erst am Klimacamp teilnehmen, da der Ort – trotz vieler Bemühungen – für Menschen mit körperlichen und psychischen Handicaps nicht gut zugänglich ist, weiß-sein, cis-gender sowie Heteronormativität das Camp stark prägt, Wissenshierarchien bestehen und äußerliche und sprachliche Szene-Codes einschüchtern.

Es kann auch vorkommen, dass Menschen Workshops verlassen, weil Sprache und dominantes Redeverhalten die Teilnahme für sie unmöglich macht oder Alltagsrassismus, -sexismus, etc. zu wenig reflektiert wird.

Deswegen lasst uns bereits hier und jetzt versuchen auf diesem Camp ein Klima zu schaffen, in dem sich alle Menschen möglichst wohl fühlen können und in dem sie….

… diskriminierendes Verhalten in jeder Form thematisieren können…

… frei an ihren_seinen Identitäten basteln können…

… sich trauen nachzufragen, wenn er_sie etwas nicht verstanden hat…

… Fachwörter und Szene-Codes erklärt werden, um alle in Gespräche einzubeziehen…

… darauf achten, wer wie viel spricht, wer nicht und warum nicht…

… ob Große und Kleine in ihren_seinen Bedürfnisse gesehen werden….

… sich trauen können zu sein…

… beginnen, ihre Privilegien zu reflektieren und einen sensibilisierten Umgang zu üben…

Wir wünschen uns eine Kultur der „Fehler“freundlichkeit, denn wir alle sind nicht frei von diskriminierendem Verhalten. Wir wünschen uns aber auch Offenheit von Menschen, die auf ihre Privilegien aufmerksam gemacht und für ihr möglicherweise diskriminierendes Verhalten kritisiert werden.

Dabei sind ein wertschätzendes Miteinander, gegenseitige Rücksichtnahme und gemeinschaftliche Übernahme von Verantwortung unabkömmlich für eine Gemeinschaft, in der Menschen sich nicht ausgeschlossen oder sogar diskriminiert fühlen.

Wir alle werden in Gesellschaften sozialisiert, in denen Ausgrenzung und Unterdrückung alltäglich sind. So machen Privilegien, diskriminierendes Verhalten und Grenzüberschreitungen nicht vor dem Klimacamp halt. Egal ob diese bewusst oder unbewusst stattfinden, für die Betroffenen sind die Erfahrungen schmerzhaft und erzeugen häufig ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Auf Seiten der privilegierten Person können Verhaltensweisen und Aussagen so normalisiert sein, dass sie nicht als Diskriminierung und Grenzüberschreitungen wahrgenommen werden. Das eigene Erkennen von Privilegien ist nicht immer leicht und häufig mit unangenehmen Gefühlen verbunden. Dies aber ist unumgänglich, um gemeinsam auf dem Weg in eine solidarische, emanzipatorische Welt weiterzugehen – frei von Herrschaft und Diskriminierung.

Wir wollen keine Schuldzuweisungen aussprechen oder Sanktionen verteilen, sondern auf Privilegien und Machtungleichheiten aufmerksam machen und dafür sensibilisieren. Jede*r kann nur für sich selbst entscheiden, wann eine Grenzüberschreitung bei sich selbst stattgefunden hat, wie sich diese anfühlt und wie er_sie dabei unterstützt werden möchte, um sich wieder selbst zu ermächtigen. So wollen wir Betroffenen von Diskriminierung und Gewalt Unterstützung anbieten, damit sie sich (wieder) ermächtigen und auf dem Camp wohlfühlen.

*** Für ein lebenswertes Klima für ALLE und ÜBERALL ***

Wer sind wir?

Das Awareness-Team setzt sich aus Menschen zusammen, die zwar unterschiedliche politische Hintergründe und Erfahrungen mit Awarenessarbeit mitbringen, ansonsten aber eine relativ homogene Gruppe bilden. Wir sind überwiegend weiß, haben einen deutschen Pass, sind cis-gender, jung, haben hohe Bildungsabschlüsse, keine sichtbaren psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen. Die Personen der Awareness-Gruppe sind also in mehrfacher Hinsicht privilegiert.

Wir möchten gerne für alle Menschen da sein, die Unterstützung brauchen. Allerdings bringt unsere privilegierte Position mit sich, bestimmte Diskriminierungserfahrungen nicht zu machen. Wir haben uns zwar mit in der Gesellschaft bestehenden Machtverhältnissen beschäftigt, können aber nicht garantieren, dass wir in jeder Situation wirklich aware und sensibel genug reagieren.

Wir bieten einen Zuhör- und Sprechraum an, wenn du Diskriminierung erfahren hast, aber auch wenn du einen Konflikt hattest oder in einer anderen Krise steckst. Wir wollen dabei für alles ansprechbar sein und versuchen unsere Fähigkeiten und Grenzen klar zu formulieren. Falls wir das Gefühl haben dir nicht helfen zu können, können wir dir Kontaktmöglichkeiten zu professionellen Beratungs- und Unterstützungsangeboten geben.

Wir sehen uns als offene Awarenessgruppe: Wenn du Lust hast mitzumachen, kannst du uns gerne ansprechen. Ein vertrauensvolles Miteinander und ein guter Austausch in der Gruppe sind uns dabei wichtig.

Wie wollen wir arbeiten?

Wir möchten dir Unterstützung für größere und kleinere Krisen jeglicher Art anbieten. Wir wollen uns bei der Auseinandersetzung mit erlebter Diskriminierung oder Gewalt solidarisch zeigen (unabhängig davon, ob es sich um körperliche, psychische und/oder emotionale Gewalt handelt). Du kannst dich aber auch bei anderen zwischenmenschlichen Konflikten, bei Redebedarf nach Diskussionen oder Workshops, bei Überforderungs- Konkurrenz- oder Leistungsdruckgefühlen an uns wenden – denn all das macht auch in emanzipatorischen Kreisen nicht halt.

Bei der Unterstützung in der Auseinandersetzung mit Diskriminierung und/oder Gewalt handeln wir stets auf Grundlage von Definitionsmacht. Das heißt für uns, dass nur die betroffene Person definieren kann, ob eine Grenzverletzung stattgefunden hat und was sie_er als Gewalt/Diskriminierung empfindet. Gewalt/Diskriminierung wird aufgrund der persönlichen Geschichte, Gegenwart und Erfahrung von Betroffenen subjektiv unterschiedlich erlebt, eingeordnet und eingeschätzt. Sie kann somit nicht an scheinbar objektiven Kriterien festgemacht werden.

Während uns Definitionsmacht als politisches Konzept eine Orientierung bietet, nehmen wir auch die dazugehörige parteiliche Haltung ein. So stellen wir nie die Definitionsmacht der betroffenen Person in Frage und akzeptieren diese respektvoll. Wir positionieren uns also auf der Seite der betroffenen Person und zweifeln nicht an ihrer_seiner Wahrnehmung.

Das Erleben von Diskriminierung und Gewalt führt zu einer Einschränkung der Handlungsmacht der betroffenen Person. Deshalb wollen wir Selbstermächtigung und gegebenenfalls Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit unterstützen. Im Gespräch versuchen wir herauszufinden, was du dazu gerade brauchst. Dabei unternehmen wir nichts, was du nicht ausdrücklich möchtest und sichern dir Anonymität und Vertraulichkeit zu. Falls du dir unsicher bist, ob dein Anliegen zu unserem Angebot passt, sprich uns gerne darauf an.

Meist werden zwei Awarenesspersonen in ein Gespräch mit dir kommen, wobei es sich meist um eine Frau* und einen Mann* handelt. Du kannst aber auch nur mit einer Person oder nur mit Frauen* sprechen, das liegt bei deinen Bedürfnissen.

Wie und wo könnt ihr uns erreichen?

Es wird ein Awareness-Zelt für Einzelgespräche geben. Außerdem gibt es eine Ruhe-Jurte, die ein Raum für Rückzug und Entspannung ist. Dafür wird es eine “Ampel” geben, auf der ersichtlich ist, ob eine deprivilegierte Gruppe den Raum gerade nutzen möchte. Bitte beachtet dies! Wo sich die Zelte befinden, erfahrt ihr am Infozelt.

Wir möchten möglichst auf unterschiedlichen Wegen und für möglichst viele Anliegen und auch in dringenden Fällen für euch erreichbar sein. Deshalb wird es einen Briefkasten, ein Telefon und feste Sprechzeiten geben. Wir wünschen uns aber, dass jede Person ihr Verhalten auf potenzielle Diskriminierung hinterfragt und bei Diskriminierung auch andere Personen unterstützt.

Sprechzeiten
Täglich zwischen 16:00 und 17:00 werden zwei Personen der Gruppe beim Awareness-Zelt für euch ansprechbar sein.In dieser Zeit können auch Termine zu anderen Zeitpunkten vereinbart werden. Wenn ihr uns sonst in der Ruhe-Jurte oder dem Awareness-Zelt antrefft, könnt ihr uns jedoch auch mit offenen Fragen und Wünschen ansprechen.
Termine für Gespräche könnt ihr auch über folgende Telefonnummer ausmachen: 01573-2389907. Auch wenn ihr euch ein persönliches Zusammentreffen nicht (gleich) vorstellen könnt, ist das Telefon eine gute Alternative für ein Gespräch. Das Telefon ist 24h erreichbar und darf bei Bedarf ausdrücklich zu jeder Uhrzeit genutzt werden. Aber bitte beachtet, dass die Person, die das Telefon nachts betreut, trotzdem schlafen wird. Lasst euch also nicht davon verunsichern, wenn erst beim 2. oder 3. Anruf abgenommen wird oder die Person erst nur verschlafen antwortet.

Briefkasten
Für alle, die lieber schreiben oder anonym bleiben wollen, hängt ein Briefkasten in der Nähe des Awareness-Zelts, der mind. einmal täglich geleert wird. Am Briefkasten hängen ein paar Fragen an dich, die für uns hilfreich sind.

Termine
Sonntag 9:30 Diskussionsrunde „ Awareness-Gruppe, Definitionsmacht, Parteilichkeit…“

Die Awareness-Gruppe möchte einen Raum geben, sich genauer mit Awareness und dem diesjährigen Konzept auseinanderzusetzen sowie zu diskutieren welche Ziele und Motivationen, aber auch welche Kritiken, Befürchtungen und Zweifel hinter Definitionsmacht und der Haltung der Parteilichkeit stecken.

 

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