Hintergrund

Connecting Movements Camp 2017 im Rheinland
Natürlich kommt dieser Aufruf nicht aus dem Blauen heraus. Wir sind eine kleine Gruppe an Leuten, die in verschiedenen linken/emanzipatorischen/revolutionären Kontexten unterwegs sind und sich mit der Vision zusammengetan haben, im Rahmen des Klimacamps im Rheinland im August 2017 einen Ort des Austauschs und der Vernetzung von Bewegungen zu schaffen. Manche waren bereits in den letzten Jahren auf dem Klimacamp im Rheinland, waren in die Orga des Camps involviert und/oder in den thematischen Barrios zu Queerfeminismus, Antirassismus und Landwirtschaft beteiligt, die es in den letzten Jahren auf dem Camp gab. Was uns eint, ist der Wunsch, raus aus der Isolation vereinzelter Kämpfe zu kommen und der Versuch, Gemeinsamkeiten zu finden und Unterschiede sowie unsere Grenzen zu diskutieren – um eine gemeinsame, wirkungsvolle Bewegung zu werden. Deshalb wird es im August eine an das Klimacamp angegliederte autonome Fläche unter dem Namen Connecting Movements Camp! geben.


Einige der Fragen, die wir uns stellen

Wie beeinflusst der Klimawandel den Zugang zu Land und wer kann unter den Bedingungen eines globalisierten, industrialisierten Marktes als Produzent*in überleben? In welchem Zusammenhang stehen Fluchtursachen dazu? Wie ist es möglich hier im industrialisierten Norden die globale Bewegung für Ernährungssouveräntät zu stärken? Wie wird über rassistische Politiken eine Abschottung betrieben? Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich für Menschen in sozialen Bewegungen, die in Intersektionalitäten stehen, zum Beispiel für Schwarze Lesbische Frauen*? Welche Kristallisationspunkte gibt es um den Widerstand zu bündel und deutlich sichtbar zu machen? Warum ist die häusliche Sphäre in politischen Debatten häufig immer noch unsichtbar obwohl Machtverhältnisse in ihr wirken und innerhalb dieser verhandelt werden? Welche Rolle spielt Kolonialismus, Neokolonialismus und Dekolonialität für Landwirtschaft und feministische Perspektiven? Wie können wir politische Diskussionen führen, so dass alle sie verstehen und teilhaben können?
In welchen Ambivalenzen stehen all diese Fragen und gibt es die Möglichkeit einen Minimalkonsens zu finden, oder eine breite Klammer zu schaffen, in welcher wir diese Ambivalenzen als Bewegungen akzeptieren können?
Wir wollen die Themen der verschiedenen Bewegungen verschränkt betrachten und setzen sie daher miteinander in Beziehung: Was sind Dinge, welche die unterschiedlichen Bewegungen in puncto Gerechtigkeit mit sich selbst und mit anderen diskutieren wollen/müssen/können? Was sind gemeinsame Fragen und welche Unterschiede sind unüberbrückbar? Können diese Unterschiedlichkeiten gefeiert werden oder müssen sie bis ins letzte Detail ausdiskutiert werden? Was sind Voraussetzungen, um sich mit anderen Gruppen zu verbünden? Zu solidarisieren? Welche Formate, Aktionen, Fähigkeiten und Reflexionen bringen die anderen Bewegungen mit? Welche Rolle spielt politischer Ausdruck in Kunst, Literatur, Musik, sozialen Netzwerke und auch unserem Alltag für eine politische Bewegung?

Fragen über Fragen – Zeit darüber ins Gespräch, in den Streit, in den Austausch und ins Praktische zu kommen. Zeit, sich zu treffen und Zeit, die wir uns dafür nehmen können.

Der Ort und die Momente, die wir schaffen wollen
Der Ort, den wir dafür kreieren wollen, soll Rückzug zur Reflexion bieten, Raum zur Vernetzung schaffen, uns für gemeinsame Aktionen und Austausch bestärken und ein Weiterkommen der Bewegungen ermöglichen. Die Idee ist daher, uns nicht nur mit Vorträgen und Workshops, die von vornherein feststehen zu beschäftigen, sondern in Form von Open Spaces (der Bar-Camp Methode) allen Menschen, die kommen die Möglichkeit zu geben sich einzubringen.
Auch in den Prozess der Vorbereitung beziehen wir diese Perspektive mit ein: je mehr Menschen wir sind – und vor allem, wenn wir aus unterschiedlichen Kontexten kommen – desto mehr Menschen können wir auch einladen, an diesen Prozessen teilzuhaben, daraus etwas mitzunehmen und weiter zu tragen. Viele Dinge, die auf dem Camp stattfinden und den Rahmen bilden, werden schon in der Vorbereitung gesetzt: zum Beispiel Räume, die wir erschaffen, Material, mit dem wir mobilisieren (und dementsprechend bestimmte Gruppen ansprechen), Awarenesskonzepte, die wir diskutieren usw. Daher wünschen wir uns, raus aus der ‚Klimablase‘ zu kommen und schon vor dem eigentlichen Camp mit anderen Gruppen, Kontexten, Perspektiven und Bewegungen zusammenzuarbeiten.

Der Kontext, in den all das eingebettet ist
Unser Camp wird in Zusammenarbeit mit dem Klimacamp im Rheinland (http://www.klimacamp-im-rheinland.de/) stattfinden. Dieses findet seit 2010 im jährlichen Rhythmus in der Nähe von Köln statt. Beim Klimacamp geht es nicht nur um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und Braunkohleabbau, sondern auch ganz explizit darum, Alternativen des Zusammenlebens zu entwickeln und auszuprobieren – ebenso wie bunten und kreativen Widerstand zu leisten. Ganz nach dem Motto „System Change not Climate Change“. Dabei wird in der Vor- und Nachbereitung ganz viel reflektiert, organisiert, strukturiert und geplant. Und Jahr für Jahr werden neue Dinge ausprobiert, wie zum Beispiel die Entstehung von thematischen Barrios in den letzten beiden Jahren. Aus denen sich wiederum in diesem Jahr das Connecting Movements Camp entwickelt hat.

Vom 18.-23.8. liegt der Schwerpunkt des Camps auf Bildung und Vernetzung und vom 24.-29.8. auf Aktionsplanungen und Aktionen. Zu diesem Zeitpunkt (24.-29.8.) rufen im rheinischen Braunkohlerevier verschiedenste Gruppen, Bündnissen etc. zu Aktionstagen auf.
Wie wir uns organisieren
Wir treffen uns ca. alle 6 Wochen für 2-3 Tage (siehe Termine), zu sogenannten Orga-Plenas. Neben den Treffen haben wir regelmäßige Telefonkonferenzen, momentan telefonieren wir wöchentlich. Dabei wählen alle die gleiche Nummer + Zugangscode und befinden sich dann in einem virtuellen „Konferenzraum“, in dem wir miteinander sprechen können. Außerdem haben wir eine viel genutzte Mailingliste, auf die ihr gerne dazukommen könnt. Schreibt dafür einfach eine Mail an connecting-movements-camp@riseup.net.
Wir organisieren uns in verschiedenen Arbeitsgruppen, die dann mit dem Vertrauen der Großgruppe relativ eigenständig arbeiten können. Dadurch können sich unterschiedlichste Menschen mit ihren Fähigkeiten und Kapazitäten in das einbringen, was ihnen Spaß macht und der ganze, große Vorbereitungsprozess wird ein bisschen strukturiert.
Die Fahrtkosten können übrigens erstattet werden. Für weitere Informationen oder bei Fragen schaut unter „nächstes Treffen“ nach oder schreibt uns eine mail

Wer ‚wir‘ bisher eigentlich sind und wer ‚wir‘ werden wollen
Der Kreis von Menschen, die sich bisher mit der Organisation des Connecting Movements Camp! beschäftigen, sind bereits in verschiedenen Kontexten in den Bereichen Queer-Feminismus, Flucht, Migration, Anti-Rassismus, Landwirtschaft und Klimawandel aktiv. (Anzumerken ist hier, dass die Positionierung in verschiedenen Teilbereichskämpfen aber auch nur aus bestimmten privilegierten Positionen heraus überhaupt möglich ist.)

Die Fragestellungen, Herausforderungen und Strategien die sich in diesen Bereichen ergeben sind teils sehr unterschiedlich. Es gibt aber gleichzeitig deutliche Überschneidungen. Dazu möchten wir auch als Orga-Gruppe noch viel mehr Sichtweisen, Hintergründe und Herangehensweisen einbeziehen und kennen lernen. Außerdem wollen wir unsere eigenen Positionierungen mitdenken und hinterfragen, um voneinander zu lernen und mit dem Camp einen Ort vielfältigen Austauschs zu schaffen. Wir würden uns sehr freuen, dies mit euch gemeinsam zu machen!